Missglückte Transformation
Ungarn hatte es vergleichsweise gut im damaliegen Warschauer Pakt. Der Gulaschkommunismus sorgte dafür, das die Magyaren relativ große Freiheiten genossen und es sogar zu scheidenem Wohlstand bringen konnten. Daher sollte die Transformation von der Plan- und zur Marktwirtschaft eigentlich problemlos vonstatten gegangen sein. Doch heute sieht es anders aus. 18 Jahre nach der Wende und zwei Jahre nach dem Beitritt zur EU macht sich eine Depression breit.
Die etwa 10 Millionen Ungarn fühlen sich vom Wirtschaftwachstum im Stich gelassen. Ausreichend Essen oder eine beheizte Wohnung sind nicht mehr für jeden eine Selbstverständlichkeit. Aber das schlimmste steht den Einwohnern noch bevor: damit der hoch verschuldete Staat die Kriterien für den Euro erfüllen kann, stehen Haushaltskürzungen an und ein sparsameres Sozialsystem wird sich wohl auch nicht vermeiden lassen.
Die Stimmung im Land wird deutlich, wenn man auf die Straße geht. So protestieren Gegner der gegenwärtigen sozialistischen Regierungspartei vor dem abgesperrten Parlamentsgebäude. Regierungschef Ferenc Gyurcsany hatte die Wahrheit über die Zustände im Land verkündet und zugegeben, dass die Politiker das Volk jahrelang darüber im Dunkeln gelassen haben.
Nun trifft es die Wähler wie ein Schlag. Die unter den Demonstranten in großer Anzahl vertretenen alten Menschen fordern nicht, wie man meinen könnte, bessere Lebensverhältnisse, sondern die Wiederherstellung Großungarns. Betritt man die Sozialämter, sind die Warteräume überfüllt.Dort geht es zu wie in jedem beliebigen Sozialamt auf der Welt: Wer Leistungen beziehen will, muss sich nackt machen. Der Kauf- oder Mietvertrag für die Wohnung, die Kosten für Heizung und Strom, sowie sämtliche Einkommen müssen offengelegt werden.
Für die Ungarn ist das Leben teurer geworden. Die Energiepreise haben sich fast verdoppelt. Das Erdgas kostet in etwa so viel wie in Deutschland. Das bekommt insbesondere die zu spüren, die in schlecht gedämmten Plattenbauten leben. Die Zahl der wahrhaft bedüftigen Menschen ist unbekannt, weil viele sich schämen, zum Sozialamt zu gehen. Der angekündigte Sparkurs der Regierung macht auch nicht vor dem Sozialamt halt. Zurzeit wird geprüft, wieviele Stellen eingespart werden können.
Famlien, die zur Mittelschicht zählen, haben Angst in die Armut abzurutschen. Wer hofft, der Armut zu entkommen, in dem er eine höhre Schule besucht und später studiert, wird vielleicht enttäuscht werden. Durch geplante Gebühren für den Zugang kann es sich nicht mehr jeder leisten, seine Ausbildung zu verbessern.